Brauche den Ball in der Hand und die Jungs um mich!


22. Oktober 2016, Nordfrost-Arena Wilhelmshaven. Die HSG Konstanz bereits mit neun Toren beim Ex-Erstligisten in Front, doch kurz vor Schluss der Ausgleich der Gastgeber. Großer Druck für den Zweiliga-Aufsteiger vom Bodensee in einer nun verrückten Partie, dann kam HSG-Kapitän Fabian Schlaich angeflogen. Letzter Wurf, fast aus dem Nullwinkel – und der Treffer zum 27:26-Auswärtssieg. Ein irrer Schlusspunkt. Zum erneuten Aufeinandertreffen am Samstag, 20 Uhr, in der Schänzle-Sporthalle kehrt der Kapitän nach einer langen Verletzungspause nun zurück auf das Spielfeld: das Comeback nach über zwei Monaten.

Nach einem doppelten Bandscheibenvorfall gegen Ende der Vorbereitung im August konnte der Linksaußen, der letzte Saison 133 Tore erzielte, in dieser Spielzeit noch kein einziges Spiel bestreiten. „Es war schon eine verdammt bescheidene Zeit“, blickt der 26-Jährige zurück auf eine über zwei Monate dauernde Verletzungspause und erklärt: „Wer mich kennt, weiß, dass ich den Ball in der Hand und die Jungs um mich herum brauche. Alleine und ausschließlich Kraft- und Reha-Training machen zu müssen ist kein Vergnügen.“ Umso bitter war die Verletzung, da sich der Leistungsträger und Führungsspieler in Bestform zeigte und im Vergleich zur letzten Spielzeit einen weiteren Schritt nach vorne gemacht hatte, so die Einschätzung der Trainer, Fans und auch von Schlaich selbst, der enttäuscht feststellt: „Ich habe mich in der freien Zeit vor der Vorbereitung gut fit gemacht, mit einem Kollegen viel im Bereich Antritt und Sprungkraft gearbeitet und schon gemerkt, dass sich einen Sprung nach vorne, gerade im Bereich Athletik gemacht habe. Umso bitterer, dass dies nun verpufft ist.“

Unterkriegen lässt sich der als Kämpfernatur bekannte Leistungsträger aber nicht. „Ich werde umso intensiver daran arbeiten, diesen Schritt nach vorne jetzt zu machen“, sagt der seit 2013 in Konstanz unter Vertrag stehende gebürtige Balinger. Zunächst heißt es jedoch kleinere Brötchen zu backen, sich nach vier Wochen intensiven Trainings langsam zu alter Form zurückzukämpfen und wieder vollständig fit zu werden. Morgens laufen und  Reha-Training beim Physiotherapeuten, abends in den letzten Wochen Mannschaftstraining mit der Mannschaft, alleine dies hat Schlaich wieder Zuversicht gegeben, denn obwohl er „noch nicht bei 100 Prozent angekommen“ ist, freut er sich auf die Rückkehr in die „Schänzlehölle“ und auf das Spielfeld – und, dass er endlich wieder komplett beschwerdefrei ist. Als „unangenehm“ beschreibt er die Zeit, als er Spiele nur am Liveticker oder von der Tribüne verfolgen konnte, ohne Chance, seinen Mannschaftskameraden helfen zu können. „Das war umso schwieriger, weil es schlecht für uns gelaufen ist“, so der Lehramtsstudent (Sport und Deutsch).

Vor schweren Spielen bei fünf Topmannschaften soll gegen Wilhelmshaven die Entwicklung der letzten Wochen mit Punkten belohnt und die Wende eingeleitet werden. „Man kann nicht abstreiten, dass uns bislang das Glück gefehlt hat“, stellt er nüchtern fest, nicht aber ohne zu betonen: „Wir müssen daran arbeiten, dass wir darauf nicht angewiesen sind oder es schaffen, es zu erzwingen wie im letzten Jahr.“ Auch sein Comeback möchte er – trotz großer Vorfreude – nicht überbewerten. „Ich mache, was ich immer tue und versuche dem Team zu helfen“, erzählt das 1,80 Meter große Kraftpaket vor einem Spiel gegen einen direkten Konkurrenten m Kampf um den Klassenerhalt. „Natürlich ist etwas Druck da“, gibt der Kapitän zu. „Aber wir haben die Chance, die Tabelle wieder geradezurücken und Big Points zu holen.“ Die Vorgabe, die seine Mitspieler bekommen und die er in noch stärkerem Maße an sich selbst anlegt: alles reinhauen, emotional und handballerisch an die Grenze gehen. „Dann wird das ein spannendes Spiel. Wenn wir bei 100 Prozent sind, können wir gegen jeden Gegner gewinnen“, weiß Schlaich, um im gleichen Atemzug vor dem Wilhelmshavener HV zu warnen: „Wir haben letzte Saison nicht nur bei der Aufholjagd gesehen, zu was der WHV imstande ist.“

Und der Wurf ins Glück an der Nordseeküste, eine besondere Erinnerung? Gleich der Teamplayer, der er ist, erinnert er an eine wichtige Parade im Anschluss von Konstantin Poltrum und sagt: „In dem Moment geht einem nicht viel durch den Kopf, einfach reinmachen“. Dann lacht er. Die Freude ist zurück. „Ich bin glücklich, mit den Jungs wieder Spaß haben zu können und habe Bock auf Handball und mit den Jungs zu zeigen, was wir draufhaben.“ Nach einer schweren Vorbereitung mit vielen verletzten Stammkräften muss nach dem Verletzungspech und der Rückkehr einiger arrivierter Kräfte „die Leistung zurückkommen“, so die Forderung des HSG-Kapitäns.

Fabian Schlaich fühlt sich wohl in Konstanz und in einer extrem jungen Mannschaft, die in Emsdetten mit nur einem Spieler, der 26 Jahre alt ist, angetreten war. Der Rest ist Anfang 20. „Das wollten wir so und bringt auch Vorteile mit sich. Wir sind fit, schnell und verfügen über brutal viel Spielwitz“, schwärmt er von „seinen Jungs“. „Was uns abgeht ist die Erfahrung, was man auch bei drei Niederlagen mit einem Tor gesehen hat. Das ist keine Ausrede, ich sehe unsere Jugend positiv.“ Im Lager der HSG ist man froh über die Rückkehr eines „Emotional Leaders“. Alleine mit seiner Präsenz und seiner Erfahrung wird er dem blutjungen HSG-Team weiterhelfen. Und auch auf sein Handgelenk ist Verlass, darüber staunen sie in Wilhelmshaven immer noch.

HSG Konstanz  Wilhelmshavener HV

Zum Seitenanfang