Knapp drei Tage nach dem Husarenstreich der Gallier beim SC Magdeburg haben sie schon das nächste Spiel vor der Brust. In der heimischen SparkassenArena geht es gegen den Tabellenachbarn GWD Minden. Spielbeginn am Sonntag ist um 16 Uhr.


Der Jubel der Gallier nach dem Schlusspfiff in der GETEC Arena am vergangenen Donnerstagabend in Magdeburg war riesig. Selbst Fabian Wiederstein, der drei Minuten vor dem Schlusspfiff benommen vom Feld geführt werden musste, nachdem seine Stirn eine schmerzhafte Begegnung mit dem Knie seines Gegenspielers hatte, ließ es sich nicht nehmen, zum Freudentanz und Siegerfoto nochmals aufs Parkett zu gehen. Die Freude war mehr als verständlich, denn keiner hatte im Vorfeld die Gallier als Sieger auf dem Zettel. Über zehn Jahre war es her, dass die Balinger in Magdeburg zuletzt gewinnen konnten und zudem musste Chef-Coach Jens Bürkle auch noch kurzfristig improvisieren. Zu Beginn der Trainingswoche hatte er noch gehofft, dass er mit einem nahezu vollständigen Kader nach Sachsen-Anhalt fahren kann, aber je näher die Abreise rückte, je dünner wurde sein Kader. Am Ende musste er mit Marcel Niemeyer, Jona Schoch, Gregor Thomann und James Scott gleich vier wichtige Spieler zu Hause lassen. Torhüter Mike Jensen fuhr zwar mit nach Magdeburg, musste aber beim Aufwärmen passen. Seine Rückenprobleme ließen einen Einsatz nicht zu.

Die Taktik, die der Balinger Sportwissenschaftler angesichts der prekären personellen Situation aus dem Hut zauberte, war schließlich der Schlüssel zum Erfolg. Vor allem mit dem siebten Feldspieler, den Bürkle immer wieder an Stelle des Torhüters auf die Platte schickte, war die Abwehr des SCM über weite Strecken überfordert. Hinzu kam, dass in der Gallier-Sieben jeder einzelne große Verantwortung für den Ball übernahm. Es gab kaum technische Fehler, die der SCM für seine gefürchteten Tempogegenstöße nutzen konnte und keiner der Gallier ließ sich aus der Ruhe bringen, egal was auch passierte. Hinter einer um jeden Zentimeter Boden kämpfenden Abwehr wurde Torhüter Mario Ruminsky zu einem immer größeren Problem des Magdeburger Angriffs und zwar so, dass in einem Internetforum die SCM-Fans sogar darüber diskutierten, ob man von Balingen mit Mike Jensen womöglich den falschen Torhüter für die nächste Saison verpflichtet hat.

Im Angriff spielten die Gallier den unbekümmerten und mutigen Handball, den Bürkle von seinen Jungs immer wieder fordert. Daran dürfte sich auch im kommenden Heimspiel gegen GWD Minden nichts ändern, obwohl man das anstehende Kellerduell mit dem Auswärtsspiel in Magdeburg sicher nicht vergleichen kann. Gegen den haushohen Favoriten konnten die Gallier nur gewinnen. Eine Niederlage hätte zu keinerlei Diskussion geführt, weil sie ohnehin einkalkuliert war. Am Sonntagnachmittag sieht das etwas anders aus. Es gibt keinen Favoriten. Die zwei Mannschaften sind nicht nur nach Punkten gleich, sie begegnen sich auf Augenhöhe. Der Druck dürfte nach dem 28. Spieltag allerdings mehr auf Seiten der Mindener sein. Nach dem verdienten, aber mit einem in der letzten Sekunde verwandelten Strafwurf trotzdem recht glücklichen Punktgewinn gegen den TVB Stuttgart ist ihre Ausgangslage im Kampf um den Klassenerhalt mit der vom HBW vergleichbar. Beide haben 19 Punkte und damit nach Pluspunkten sechs Punkte Vorsprung auf den ersten Absteigerplatz. Da die Gallier das Hinspiel aber mit 27:20 in Minden gewonnen haben, haben sie bisher im direkten Vergleich auf jeden Fall die besseren Karten.

Egal, wie das Spiel am Sonntagnachmittag auch ausgeht: Der Gewinner hat zwar gute Karten im Kampf um den Klassenerhalt, diesen aber noch lange nicht sicher in der Tasche, und der Verlierer wird auch weiterhin im Vorteil gegenüber den anderen Abstiegskonkurrenten bleiben, bleibt aber auch weiterhin im Topf der Abstiegskandidaten.

Wer von den angeschlagenen Spielern, die in Magdeburg bereits gefehlt haben am Sonntag mithelfen kann, wird sich erst kurzfristig entscheiden. Der ein oder andere wird sicher weiterhin fehlen und auch hinter Fabian Wiederstein steht ein dickes Fragezeichen.

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