HSG Konstanz kann in Neuhausen Klassenerhalt perfekt machen.


Inzwischen zehn Monate läuft die aktuelle Saison der 2. Handball-Bundesliga, 36 Spiele inklusive vier Doppelspieltage hat die HSG Konstanz dabei schon absolviert, dafür über 20000 Kilometer zu den Auswärtspartien gemeistert – so viele wie kein anderer Verein in den großen Mannschaftssportarten in Deutschland – und dabei viele emotionale Höhen und Tiefen erlebt. Am Samstag, 20 Uhr, könnte eine der jüngsten Mannschaften des Bundesliga-Unterhauses sich für all die großen Anstrengungen mit einem der größten Erfolge der Vereinsgeschichte belohnen: dem Klassenerhalt in der stärksten zweiten Liga der Welt und der weiteren Zugehörigkeit zu den besten 38 Mannschaften im Handball-Mutterland Deutschland.

Nach dem hochemotionalen 25:24-Sieg gegen Leutershausen fehlt nur noch der allerletzte Schritt zum großen Ziel, nur noch die Verwandlung des Matchballs. Ein Sieg und Konstanz ist auch in der kommenden Spielzeit Bundesliga-Standort. Doch theoretisch könnte auch ohne eigenen Erfolg gefeiert werden, wenn Leutershausen sein Heimspiel gegen Ferndorf verlieren sollte. HSG-Trainer Daniel Eblen sagt denn auch nach dem eminent wichtigen Sieg gegen die SGL und der nun glänzenden Ausgangsposition vor den beiden finalen Duellen: „Die Anspannung war schon groß, die Erleichterung nach Schlusspfiff spürbar – für Sonntag.“ Denn seit Montag gilt die volle Konzentration wieder einer hochkonzentrierten und intensiven Vorbereitung auf die nächste Herausforderung. „Der Erfolg von letzter Woche interessiert heute niemanden mehr bei uns. Wir sind voll fokussiert auf die nächste schwere Aufgabe.“

Diese heißt TV Neuhausen und hat es, so Eblen, richtig in sich. Vom 19. Tabellenplatz des als Absteiger feststehenden schwäbischen Nachbarn lässt er sich jedenfalls nicht blenden. Nach sieben Jahren in der zweiten Liga plus einem Jahr in der 1. Bundesliga wird vor den Toren Metzingens nun eine sehr erfolgreiche Ära enden. Dass man in Neuhausen allerdings über eine Mannschaft verfügt, die das Potenzial für Liga zwei besitzt, wurde immer wieder deutlich, wenn die Verletzungssorgen des TVH sich in Grenzen hielten. Zuletzt verlor man gegen Tabellenführer Lübbecke nur knapp mit 19:22, ebenso wie in Nordhorn (25:29) und Lübeck (27:29). Nach dem letzten Heimspiel des TV Neuhausen werden gleich acht Spieler verabschiedet. Einer von ihnen ist der pfeilschnelle Rechtsaußen Felix Klingler, der in der neuen Saison das HSG-Trikot überstreifen wird und bislang 114 Mal für seinen aktuellen Verein erfolgreich war. „Ich versuche, das auszublenden. Einfach ist die Situation für mich aber nicht, schließlich kämpft Konstanz noch um den Klassenverbleib“, sagt der 23-Jährige.

Doch die Abgänge unterstreichen noch einmal das Potenzial des Gegners. Torwart Daniel Rebmann spielt künftig nur noch für den aktuellen EHF-Pokalsieger Frisch Auf Göppingen, Rückraum-Shooter Andreas Bornemann wechselt zum ambitionierten Zweitliga-Aufsteiger HC Rhein-Vikings, Kreisläufer Frederic Stüber zur TSG Friesenheim und Rückraumass Jona Schoch wird für den HBW Balingen-Weilstetten auflaufen. Dazu wird sich Linkshänder Srdjan Predragovic nach Linz in Österreich verabschieden, nachdem er derzeit für Balingen-Weilstetten, wo das Erstspielrecht liegt, mit 17 Toren in den letzten vier Begegnungen mächtig für Furore in der Eliteklasse sorgte. Dazu kommen einige erfahrene Akteure, die bereits beim einjährigen Gastspiel in der 1. Bundesliga mit dabei waren.

Dass Neuhausen im Derby gegen den südbadischen Rivalen vom Bodensee unbedingt einen  versöhnlichen Abschluss feiern möchte, daran lässt der scheidende Interims-Coach des TVN, Alexander Job, keinerlei Zweifel aufkommen. „Wir haben kein Interesse, Konstanz den Klassenerhalt zu schenken“, so der künftige Übungsleiter des Viertligisten SG H2Ku Herrenberg. Daniel Eblen erwartet deshalb einen „heißen Ritt“ in der kleinen, engen Hofbühlhalle. Als umso wichtiger stuft er deshalb die Unterstützung von 100 HSG-Fans im schwäbisch-badischen Derby ein. Lediglich 170 Kilometer trennen die beiden Spielorte, für Konstanz ist kein Weg kürzer als der nach Neuhausen-Metzingen. „Es gibt immer Momente in einem Spiel“, erklärt Eblen, „in denen sich diese Unterstützung positiv auswirkt und dich nach vorne pusht. Das ist immer wichtig. Wir haben in der letzten Saison mit unseren Fans auch in fremden Hallen unglaublich tolle Momente gehabt, die sicher ihren Anteil an der Meisterschaft hatten.“

Einstellen muss er seine Mannschaft dabei auf eine sehr unangenehme 3:2:1-Deckung der Gastgeber, gegen die der HSG-Coach – anders als zuletzt – von Anfang an eine gute Effektivität und Geduld im Angriff ebenso wie eine konzentrierte Deckungsarbeit fordert. „Neuhausen hat einen freien Kopf, hat nichts zu verlieren“, sagt der A-Lizenzinhaber und ergänzt, dass man „physisch parat“ sein und die goldene Mitte zwischen Kampf und gutem Handballspiel finden müsse. Was ihn dabei positiv stimmt ist der auch gegen Leutershausen wieder gerade in entscheidenden Situationen deutlich gewordene außerordentliche Zusammenhalt im HSG-Team.

„Wir sind gezwungen, es über die Mannschaft zu lösen“, lobt Eblen seine junge Equipe. „Jeder für sich und zusammen muss Teamplayer für eine große Mannschaft sein.“ So sei man zwar gezwungen, anders an Spiele heranzugehen, aber, so der HSG-Trainer weiter: „Wenn man es schafft, zusammenzuwachsen, das Gerüst diese Werte vorlebt und die neuen wissen, worauf es ankommt, die längerfristige Entwicklung stimmt und die Leistungsträger das mittragen, dann kann das eine große Stärke sein.“ Eine, die vielleicht schon am Samstag zu einem weiteren Jahr in der eingleisigen 2. Bundesliga führt. Der erste Matchball steht bevor. (Auf dem Bild von Peter Pisa:
Noch einmal so jubeln wie nach dem Sieg gegen Leutershausen, dann ist das Ziel aller Träume erreicht: Die HSG Konstanz kann mit einem Matchball in Neuhausen alles klarmachen.)

TV Neuhausen  HSG Konstanz

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