„Schon irgendwie ironisch“: HSG Konstanz gewinnt gegen Dresden, wird gefeiert und muss dennoch in Liga 3.






Das vorletzte Heimspiel der Saison für die HSG Konstanz, es war schließlich ein Spiegelbild der ganzen Spielzeit. Ironie einer sehr unglücklich verlaufenen Saison: Da konnte die HSG Konstanz gegen den starken HC Elbflorenz Dresden zwar nach einer tollen Mannschaftleistung einen hochverdienten 24:21 (10:10)-Sieg und den langersehnten Befreiungsschlag landen, doch statt Freude herrschte nach dem Schlusspfiff tiefe Traurigkeit bei den Gastgebern. Weil die Konkurrenz ebenfalls gepunktet hat, muss die HSG nach zwei Jahren in der 2. Handball-Bundesliga – dem insgesamt fünften in Liga zwei – nächste Saison in der 3. Liga antreten.

Und trotzdem gab es schon Minuten vor dem Schlusspfiff Standing Ovations für die HSG Konstanz. Nach dem Schlusspfiff, als die anderen Ergebnisse schon längst die Runde auf der Tribüne gemacht hatten, setzte sich dies fort. Minutenlang wurden die Spieler von ihren Fans mit reichlich Beifall gefeiert, trotz der Gewissheit, dass der erneute Klassenerhalt im noch einmal stärker gewordenen Bundesliga-Unterhaus nun nicht mehr zu erreichen ist. Eine Reaktion, die das junge Team der Konstanzer tief beeindruckte. „Das erinnert mich ein bisschen an den BHC im letzten Jahr: Die Zuschauer stehen, obwohl man abgestiegen ist“, sagte Tom Wolf und freute sich über den Zuspruch und den Mut, den die Fans ihren Lieblingen spendeten. Dennoch machte sich eine ganz komische Stimmung unter den Spielern und Verantwortlichen breit. Einerseits Freude über eine gute Leistung, Erleichterung über den verdienten Erfolg aber auch ganz viel Trauer über die Gewissheit, dass es nicht für das große Ziel, den großen Traum gereicht hat.

„Das war schon bitter“, meinte der Mittelmann. „Im Spiel und kurz danach habe ich mich gefreut. Dann habe ich die anderen Ergebnisse gehört, da geht bei mir die Kinnlade schon runter.“ Die finale Entscheidung, sie traf tief ins Mark der Konstanzer und tat richtig weh. „Aber wir konnten uns natürlich schon ein wenig darauf einstellen. Die Ausgangsposition war in den letzten Wochen eben immer schlechter“, so Wolf. „Nur wenn es Realität wird, holt dich alles ein und es ist nochmal bitterer. Schon irgendwie ironisch, mit einem Sieg abzusteigen.“

Dabei wäre an diesem Abend endlich einmal wieder Grund zur Freude gewesen. Konstanz überzeugte mit einem beherzten Auftritt, zeigte, dass man nach wie vor um jeden Punkt kämpft und stellte eine sehr gute Deckung. Torwart Konstantin Poltrum wusste sich bei seinen Vorderleuten für ihren großen Einsatz, die schnellen Beine und aggressives, frühes Stören zu bedanken. Elf Paraden, darunter ein Siebenmeter, bei über 34 Prozent gehaltenen Würfen sprechen eine deutliche Sprache: Der 24-Jährige zeigte sich ganz in alter Stärke.

Nach zwölf Minuten hatten sich die Gelb-Blauen vom Bodensee mit einer stabilen Defensive und blitzschnellem Umschaltspiel so zum ersten Mal eine Zwei-Tore-Führung erarbeitet (5:3), obwohl man neben den Langzeitverletzten Sebastian Bösing und Benjamin Schweda auch auf Mathias Riedel und Fabian Schlaich sowie Michael Oehler verzichten musste. Dresden setzte mit seiner individuellen Klasse allerdings immer wieder Nadelstiche, sodass Konstanz die 10:8-Führung nicht mit in die Kabine nehmen konnte. Viereinhalb torlose Minuten vor dem Seitenwechsel plus eine Unterzahlsituation bescherte den Sachsen mit der Pausensirene doch noch den 10:10-Ausgleich und eine gute Ausgangsposition für Hälfte zwei.

Während in Reihen des starken und frühzeitig gesicherten Aufsteigers Gabor Pulay der Aktivposten und Vollstrecker war, setzten sich bei den Südbadenern die jungen Nachwuchstalente Samuel Wendel mit vier Toren, darunter ein sehenswerter Heber, und Samuel Löffler ins Rampenlicht. Gerade Löffler war in der letzten Viertelstunde kaum zu bremsen. Im ersten Versuch noch mit einem Offensivfoul, spielte er mit seinen schnellen Antritten im Eins-gegen-Eins der Elbflorenz-Abwehr mehrmals Knoten in die Beine. Die Folge: Zeitstrafen für die Gäste und Siebenmeter für Konstanz. In Tom Wolf fand sich ein sicherer Verwerter, nachdem der gut aufgelegte Mario Huhnstock im Dresdner Kasten zuvor zweimal Sieger im Duell mit Paul Kaletsch geblieben war.

Mit dem 16:15 (42.) drehte Dresden das Spiel ein letztes Mal. Danach setzte sich Konstanz mit ganz junger Aufstellung vorentscheidend ab. Wendel traf zum 21:18 (52.) und Fabian Maier-Hasselmann erhöhte mit einem Doppelschlag auf 23:19. Die Punkte 19 und 20 waren gesichert. Der Kampf um den Klassenerhalt hingegen endgültig verloren. „Das war eine gute Leistung. Und wir haben am Ende gezeigt, dass wir die Nerven bewahren können“, hielt Tom Wolf nach dem siebten Heimsieg der Saison fest. „Jetzt wollen wir noch zwei gute Spiele machen, den Fans zeigen, dass wir in die 2. Bundesliga gehören und gemeinsam mit ihnen eine gute nächste Saison spielen.“ Das Ziel für den Spielmacher ist klar: „Wir wollen wieder in die zweite Liga zurück.“

HSG-Cheftrainer Daniel Eblen hatte zunächst allen Grund, seine Mannschaft zu loben. „Tom hat im Innenblock wirklich gut agiert. Nur 21 Gegentore gegen Dresden sind richtig stark“, erklärte er. „Die Jungs haben vorbildlich erkämpft, eine gute Mannschaftsleistung. Samuel Löffler und Samuel Wendel haben zudem richtig starke Spiele gemacht.“ Sein Gegenüber Christian Pöhler wünschte der HSG noch „alles Gute. Hier wird vorbildliche Arbeit geleistet. Ich hoffe, man sieht sich bald wieder in der 2. Bundesliga.“

HSG Konstanz – HC Elbflorenz Dresden 24:21 (10:10)

HSG Konstanz: Maximilian Wolf, Konstantin Poltrum (11 Paraden/davon 1 Siebenmeter) (Tor); Tom Wolf (4/4), Paul Kaletsch (7/3), Felix Krüger (2), Fabian Maier-Hasselmann (2), Felix Gäßler, Joschua Braun, Tim Jud (1), Samuel Wendel (4), Chris Berchtenbreiter (3), Patric Volz, Maximilian Schwarz, Marius Oßwald, Felix Klingler (1), Samuel Löffler. Trainer: Daniel Eblen.

HC Elbflorenz: Halfmann, Huhnstock (11 Paraden/davon 2 Siebenmeter) (Tor); Jurgeleit (5/2), Boese, Dierberg (1/1), Buschmann, De Santis (1), Flödl (3), Hoffmann (2), Greß (2), Zele, Kammlodt, Becvar (1), Pulay (6/1). Trainer: Christian Pöhler.

Zuschauer: 600 in der Schänze-Sporthalle Konstanz.
Schiedsrichter: Thomas Kern und Thorsten Kuschel.
Zeitstrafen: Konstanz 8 Min., Lübeck 6 Min.

Siebenmeter: 7/9 (Kaletsch scheitert an Huhnstock (18. und 31.)) – 4/6 (Dierberg scheitert an Poltrum (8.), Jurgeleit neben das Tor (48.))

HSG Konstanz  HC Elbflorenz Dresden

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