Verkehrte Welt in der Südstaffel der 3. Handball-Liga.


Da tritt der vermeintliche Außenseiter HG Oftersheim/Schwetzingen beim Zweitliga-Absteiger TV Neuhausen/Erms an und steckt rein tabellarisch in der Favoritenrolle. Denn während sich die Kurpfälzer derzeit auf dem dritten Rang sonnen, hängen die Schwaben mit ausgeglichenem Punktekonto in der unteren Hälfte fest. Aber letztlich ist alles noch eng beieinander, trennen die Kontrahenten gerademal drei Zähler.

So hält HG-Trainer Holger Löhr auch fest: „Wir robben uns von unten weg. Der Tabellenstand ist eine Momentaufnahme, dessen müssen wir uns immer bewusst sein. Jetzt haben wir Punkte geholt, die wir nicht auf dem Zettel hatten, alles Zähler gegen den Abstieg. Wir stehen ganz gut da, aber die Runde ist lang und sie wird noch knallhart.“

Das musste auch der Ex-Zweitligist erfahren, der sich ursprünglich den Wiederaufstieg zum Ziel gesetzt hatte. Aber es gab dabei große Umstrukturierung im eigentlich 17-köpfigen Kader. Acht Abgänge galt es zu kompensieren, acht bis elf (je nach Quelle) neue Kräfte mussten integriert werden und dies alles mit einem neuen Trainer. Der Niederländer Anel Mahmutefendic musste sich auch erst mit der deutsch-schwäbischen Sprache arrangieren. Wer sich die Aufstellung durchliest, könnte auf den irrigen Gedanken kommen, einer ausgebufften Söldnertruppe gegenüber zu stehen. Doch neben einigen Ausländern – die meisten recht jung – kamen etliche Zugänge von der JSG Echaz/Erms, dem gemeinsamen Nachwuchsprojekt mit Lokal- und Ligarivale VfL Pfullingen. Der Altersdurchschnitt liegt damit sogar gut drei Monate unter jenem der HG. Mahmutefendic ging deshalb davon aus, dass nach dem gewaltigen personellen Umbruch nicht alles rund laufen wird. „Wir sollten einige Wochen abwarten. In gewisser Weise ist unsere Mannschaft eine Wundertüte“, erklärte für ihn sein Geschäftsführer Nico Held in der dortigen Lokalpresse.

Löhr geht die kommende Aufgabe ganz entspannt an. „Wir fahren ohne jeden Druck nach Metzingen zu Neuhausen.“ Aber er warnt auch vor übertriebenen Erwartungen. „Wir haben noch nicht die nötige Konstanz, bringen uns durch eigene Unzulänglichkeiten immer wieder gegen Ende in Schwierigkeiten, wodurch es dann meist spannend wird. Diese Konstanz müssen wir uns erarbeiten. Vom spielerischen sind wir noch nicht ganz da, wo wir hin wollen. Die Jungs machen Fortschritte, vor allem die letzten drei, vier Spiele. Aber wir schauen wirklich von Spiel zu Spiel und sehen, was bei rum kommt.“ Er wird nicht müde zu wiederholen, dass das Ziel nach wie vor der Klassenerhalt sei und dafür müssten seine Männer hochkonzentriert arbeiten. „Unseren Fokus werden wir auch weiterhin auf die Weiterentwicklung legen. Wir wollen in Ruhe weiterarbeiten, der Mannschaft und den Spielern sollte Geduld und Vertrauen entgegengebracht werden. Unser Konzept ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt, nicht auf Kurzfristigkeit.“

Eine recht passable Ausgangslage für den Sonntagabend (17 Uhr), denn in der medialen Umgebung des Ermstalteams wird teilweise schon mit den Hufen gescharrt und mit Kritik manchmal nicht gespart. Die Erwartungshaltung nach den letzten Jahren ist dort wohl höher angesiedelt.
TV Neuhausen/Erms – HG Oftersheim/Schwetzingen

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