Doppeleinsatz für Alexander Novakovic bei den anstehenden Beachhandball-Europameisterschaften.


Der Nationaltrainer coacht sowohl die Frauen-Nationalmannschaft als auch die weibliche U17-Auswahl. Im Interview spricht der 35-Jährige über den aktuellen Stand in beiden Teams.

Alex, in gut anderthalb Wochen starten die Europameisterschaften. Wie groß ist deine Vorfreude?
Alexander Novakovic: Die Vorfreude ist schon sehr groß, es beginnt zu kribbeln, und die Spannung, die man kurz vor einer Europameisterschaft immer spürt, steigt. Im Vergleich zu der Situation vor vier Jahren bin ich jedoch deutlich ruhiger und gelassener - trotz Doppeleinsatz (schmunzelt).

Blicken wir zuerst auf die Frauen-Nationalmannschaft: Mit welchem Ziel fahrt ihr zur EM nach Polen?
Alexander Novakovic: Wir haben mit den Damen ehrlicherweise eine schöne Ausgangslage. Nach der Hauruck-Aktion vor vier Jahren mit dem letzten Rang war auch der vorletzte Platz vor zwei Jahren nicht das, was der deutsche Beachhandball repräsentieren will. Dieses Jahr werden wir definitiv besser abschneiden. Inwiefern wir das an einem genauen Platz festmachen, werden wir intern besprechen; das möchte ich nicht öffentlich machen. Natürlich wäre es schön, Entscheidungsspiele in der K.o.-Runde zu haben, denn das sind die Partien, für die man auf eine EM fährt.

Die Mannschaft ist sehr jung. Ist das ein Risiko?
Alexander Novakovic: Ich wurde immer wieder von der einen oder anderen Seite angesprochen, ob wir wirklich mit einem so jungen Kader fahren wollen oder nicht vielleicht doch noch diese oder jene Spielerin auf dem Schirm haben. Ich stelle auch jetzt klar: Ja, wir wollen wirklich mit diesen jungen Spielerinnen zur EM gehen, denn wir haben einen langfristigen Plan bis 2024. Sollte der Beachhandball dort wirklich olympisch sein, wollen wir auf der Matte stehen. Daher müssen sich gerade die Mädels des Jahrgangs 2000 weiterentwickeln - auch athletisch - und im Seniorenbereich Erfahrung sammeln. Das ist viel wichtiger als der Platz, den wir am Ende belegen.

Welche Stärken bringt deine Mannschaft mit?
Alexander Novakovic: Wir haben eine richtig gute und freudige, aber dennoch leistungsorientierte Stimmung. Es stimmt sozial extrem, das ist mir auch sehr, sehr wichtig. Das darf man - gerade im weiblichen Handball - nicht unterschätzen! Es hat sich auch von sich aus eine Teamstruktur gebildet. Daher macht es extrem viel Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten - wir haben leistungsorientierten Spaß. Wir sind auch spielerisch sehr homogen. Wir haben nicht die eine überragende Spielerin, sondern sind vielmehr in der Lage, gegen die verschiedenen Abwehrsysteme verschiedene Lösungen zu bieten.

Welchen Schritt willst du mit der Mannschaft beim Vorbereitungsturnier in Ungarn machen?
Alexander Novakovic: Wir brauchen in Ungarn den Wettkampf. Der letzte Lehrgang stand schon unter diesem Schwerpunkt, aber das war im Endeffekt ein Wettkampf auf nationalem Level. Jetzt brauchen wir den internationalen Wettkampf, das ist der logische nächste Schritt, und dafür haben wir in Ungarn tolle Gegner. Wir haben auch Zeit, uns um die intensive Analyse der EM-Gegner zu kümmern.

Dann lass uns auf die weibliche U17 schauen, die ihre EM-Generalprobe schon absolviert hat. Wie fällt dein Fazit nach dem dritten Platz in Kelkheim aus?
Alexander Novakovic: Ich möchte zuerst einmal eine Sache klarstellen: Ich bin von vielen Leuten auf die Mädels angesprochen und nach den EM-Chancen gefragt worden, die diese Mannschaft mit dem Jahrgang 2000 vergleichen - und das ist nicht fair! Die letzte Mannschaft hat als U16 angefangen und wurde bis zur U18 gefördert. Mit dem jetzigen Jahrgang haben wir drei Lehrgänge gehabt und spielen direkt eine EM. Den Fehler, diese beiden so unterschiedlichen Situationen miteinander zu vergleichen, darf die Beach-Familie nicht machen. Um jedoch auf die Frage zurückzukommen (schmunzelt): Ich muss den Mädels ein Kompliment machen, sie sind extrem gewachsen, und wir sind spielerisch schon schon sehr, sehr weit; auch das Abwehrsystem funktioniert schon. Natürlich gab es beim Karacho-Cup noch einige Aktionen, in denen wir sehr hektisch waren - ich erinnere mich da beispielsweise an einen Penalty im Shoot Out -, aber das ist normal. Individuell sind sie natürlich noch nicht auf dem Level wie der vorherige Jahrgang, es dauert einfach, einen individuellen Block oder einen perfekten Kempapass zu erlernen. Da wir spielerisch jedoch schon sehr diszipliniert waren, bin ich bisher sehr zufrieden. Jetzt bleibt natürlich die Frage, wie die anderen Nationen die Zeit genutzt haben, und wie wir im Vergleich dastehen.

Nach dem Turnier in Kelkheim hast du deinen EM-Kader bekannt gegeben. Wie schwierig war die Entscheidung?
Alexander Novakovic: Es war eine sehr schwierige Entscheidung - und auch der Teil des Jobs, der mir am meisten leid tut. Ich bin zu viel Mensch und zu wenig der knallharte leistungsorientierte Trainer (schmunzelt). Es tut mir für jede Spielerin weh, die nicht mitfahren darf. Wir haben die zehn besten Spielerinnen, die wir zur Verfügung hatten, gefunden, aber von den 14 Leuten im engeren Kader hätten es alle verdient. Es war im wahrsten Sinne des Wortes eine Qual der Wahl, und wir mussten priorisieren, auf welche Stärken wir mehr Wert legen.

Welches Ziel setzt du für die Europameisterschaft?
Alexander Novakovic: Natürlich wäre es schön, extrem gut abzuschneiden und vielleicht sogar eine Medaille zu holen - und ich glaube auch nicht, dass wir nicht chancenlos sind -, aber das Hauptziel ist ein anderes: Wir wollen den Talenten im Zwischenjahrgang 2002/2003 die Erfahrung einer Europameisterschaft mitgeben, um sie nicht zu verlieren. Im Herbst müssen sie bereits in der Damenkonkurrenz aufsteigen und das ist ein riesiger Schritt, obwohl unsere Damenmannschaft noch sehr jung ist. Ich traue jede dieser zehn Spielerinnen zu, diesen Schritt zu gehen und dafür kann die Erfahrung aus Polen nur hilfreich sein.

Was ist das erste, was du nach den zwei Wochen bei den Europameisterschaften machen wirst?
Alexander Novakovic: Ich werde im August zum zweiten Mal Vater, darauf freue ich mich gemeinsam mit meiner Frau und meinem Sohn tierisch. Das erdet mich; da sieht man, wie unwichtig so eine EM eigentlich sein kann, wenn man bei einer Geburt dabei sein darf. (Autorin: jun)

Deutscher Handballbund

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