Er hat drei Nationalteams trainiert und den TuS Schutterwald zwei Mal in die Bundesliga gebracht: Armin Emrich ist eine der Ikonen der Handball-Hochburg Ortenau. ©www.handball-server.de

Der ehemalige Handball-Bundestrainer Armin Emrich aus Allmannsweier verweigert jegliche Prognose zur Handball-WM in Ägypten, weil die Situation wegen der Corona-Pandemie viel zu unübersichtlich ist. Er sagt: „Alle Sportarten kämpfen ums Weiterleben.“

 

Nächsten Sommer wird er 70 – aber für einen wie Armin Emrich gilt nach wie vor: mittendrin statt nur dabei. Auch in der Corona-Pandemie. Dabei kommt dem Dozenten an der Universität in Freiburg zugute, dass sich sein Wissensdurst längst nicht nur auf sein Lebenselexier Handball beschränkt.
„Das ist eine ganz neue Situation“, sagt er, „mich interessiert: Was passiert im Forschungsbereich? Was ist nötig für den Leistungssport? Wie geht es Menschen, die eine Infektion erleben mussten?“

„Ich gehe kein Risiko ein“

Emrichs Familie blieb bisher verschont. Aber sein Netzwerk ist nach wie vor immens – und so kennt er auch eine Reihe von Krankheitsgeschichten.  „Was man so liest und im Fernsehen hört, entspricht in der ganzen Bandbreite den Rückmeldungen, die ich habe“, sagt er, „dazu gehören auch Menschen mit milden Verläufen, die dann aber zwei, drei Monate später in der Klinik behandelt werden müssen, weil sie Spätfolgen haben.“
Also gilt für Emrich ganz klar: „Ich gehe kein Risiko ein, trage Maske und halte mich an die Disziplin, die gefordert ist.“

Zweimal pro Woche ist der ehemalige Handball-Bundestrainer aus Allmannsweier noch an der Uni in Freiburg zugange. Ansonsten widmet er sich der Familie, kümmert sich um Haus, Hof und Garten. „Es wird überhaupt nie langweilig“, sagt Emrich.
Aber das war es bei ihm nicht und wird es auch nie sein.

Den härteren Lockdown seit 16. Dezember findet er notwendig und richtig: „Was sein muss, muss sein.“ Bei der Frage, ob das auch für die Handball-Weltmeisterschaft ab 13. Januar in Ägypten gilt, fällt Emrich eine präzise Antwort dagegen schwer. Es kommt wohl auf den Standpunkt des Betrachters an. „Jede Sportart“, weiß Emrich, „versucht, weiterzuleben in dieser schwierigen Zeit. Deshalb geht man so weit, wie es möglich ist.“ Öffentlichkeitswirkung bedeutet Sponsorengelder.

Verständnis für Wiencek

Auf der anderen Seite hat Emrich vollstes Verständnis für einen Nationalspieler wie den Kieler Patrick Wiencek, der auf die WM verzichtet, weil ihm das Risiko einer Infektion zu groß ist. „Das ist eine schwere Entscheidung, die er sich aus familiären Gründen gut überlegt hat“, meint Emrich, „da habe ich Respekt.“ Grundsätzlich glaubt er, mit gutem Hygienekon­zept sei so eine WM machbar: „Die Frage ist nur: Wie funktioniert das in Ägypten? Auch mit Zuschauern ...“
Emrichs Fazit bleibt gespalten: „Wäre ich Verbandspräsident, würde ich sagen: Wir müssen spielen. Wäre ich Spieler, würde ich mich fragen: Ist das richtig?“ Für Vieles, speziell in der Corona-Krise, gibt es nicht den einen, klaren Weg.

„Das Niveau leidet“

Deutlicher positioniert sich Emrich bei der Frage, was von der Aufblähung des Teilnehmerfeldes auf 32 Länder zu halten ist. Was dazu führt, dass Deutschland in der Vorrunde gegen die Nonames Uruguay und Kapverdische Inseln sowie Ungarn spielt – wobei drei Teams weiterkommen. „Grundsätzlich ist es gut, die Sportart Handball auf der Welt voranzubringen“, sagt Emrich, „aber das Niveau leidet.“

So wie das deutsche Team unter den Ausfällen von Fabian Wiede, Tim Suton, Jannik Kohlbacher und Franz Semper sowie den Absagen von Wienczek, Hendrik Pekeler, Steffen Weinhold und Finn Lemke. „Das Gerüst der Mannschaft ist nicht dabei“, sagt Emrich, „deshalb sind überzogene Erwartungen völlig unangebracht.“ Auf eine Prognose will sich der alte Hase nicht einlassen – weder was das deutsche Abschneiden noch die Topfavoriten betrifft. „In Corona-Zeiten“, sagt er, „kann so vieles passieren. Da lasse ich von diesen Fragen die Finger weg.“

 

Zur Person: Armin Emrich

Alter: 69.
Geboren: Bad Kreuznach.
Wohnort: Schwanau-Allmannsweier.
Beruf: Dozent an der Universität Freiburg.
Stationen als Spieler: TuS Neunkirchen, FA Göppingen, TSG Oßweil, TuS Hofweier.
Länderspiele: 27.
Erfolge als Spieler: WM-Neunter 1974 in der DDR, Deutscher Vize-Meister mit TuS Hofweier 1979.
Stationen als Trainer: TuS Schutterwald, Junioren-Nationalmannschaft, Bundestrainer Männer, Nationaltrainer Schweiz, SG Wallau-Massenheim, Bundestrainer Frauen.
Erfolge als Trainer: Bundesliga-Aufstieg mit dem TuS Schutterwald 1986 und 1989, WM-Sechster mit Deutschland 1993 in Schweden, Olympia-Achter mit der Schweiz 1996, WM-Dritter mit den deutschen Frauen 2007, Olympia-Teilnahme mit den deutschen Frauen 2008.
Hobbys: Motorradfahren, Radfahren, Inliner.

Die Alten Zeiten

In Atlanta fragte er Martina Hingis: Welchen Sport machst du?

Armin Oswald Emrich, ein Winzersohn aus Bad Kreuznach, den der Handball und die Heirat zu einem Ortenauer machten, gehört zu den eher seltenen Typen im Sport, die es faustdick hinter den Ohren, aber gleichzeitig das Herz am rechten Fleck haben.
Was den 1,95 Meter langen Pädagogen ausmacht, ist, dass er ständig Dinge tut, die man gar nicht hinter ihm vermutet. Das ist nicht nur das Motorradfahren mit einer schweren Maschine oder dass er mit knapp 60 Jahren auf der Autobahn mit den Inlinern unterwegs war, als sie wegen des Papst-Besuches gesperrt wurde.

Wer kann schon drei Olympia-Teilnahmen vorweisen – in ganz unterschiedlichen Rollen?
Die erste war in München 1972 als Strichlistenführer für die Statistik-Abteilung. Damals übernachtete er zeitweise in seinem VW Käfer auf dem Campingplatz von Fürstenfeldbruck.
Seine zweiten Sommerspiele erlebte „Emma“ 1996 in Atlanta als Nationaltrainer der Schweiz. Und er lieferte dort einen Schenkelklopfer vom Feinsten, den sich die Eidgenossen womöglich heute noch erzählen. Im Olympischen Dorf traf Emrich auf die damals zumindest ihm noch nicht geläufige Martina Hingis und fragte die spätere Nummer eins der Tennis-Weltrangliste ganz arglos: „Und du – was machst du für einen Sport?“ 

Nicht weniger originell, nur ganz anders, war Emrichs Motto, das er ausgab, nachdem er sich vom damaligen DHB-Sportdirektor „Hotti“ Bredemeier hatte breitschlagen lassen, ins Abenteuer Frauenhandball einzusteigen. Und zwar gleich ganz oben – als Bundestrainer. „Wir nageln den Pudding an die Wand“, stand auf den T-Shirts der Spielerinnen, mit denen er die Europameisterschaft 2006 bestritt.
Zwei Jahre später kam er mit seinem Team als WM-Dritter zu seinen Olympischen Spielen Nummer drei – 2008 in Peking. Doch auf chinesischem Boden war von Anfang an der Wurm drin. Weil ein Koffer verloren ging, musste Emrich in einem geliehenen Anzug zur Eröffnungsfeier. Und im Team stimmte die Chemie nicht mehr. Emrich verdreht heute noch die Augen, wenn er daran denkt: „Es war das einzige Turnier, bei dem eine Zicke dabei war. Und wenn bei Frauen die Emotionalität nicht stimmt, zieht das viel Energie ab. Anders als bei den Männern, die mal fluchen, dann aber ein Bier zusammen trinken – und es ist wieder gut.“
Nach drei Niederlagen mit nur einem Tor Unterschied hieß das Ende vom Lied Platz elf.

Höhepunkt von Emrichs Tätigkeiten als Bundestrainer war aber der Job auf Zeit, den er 1993 bei der Männer-WM als Platzhalter von Arno Ehret zu erledigen hatte. Sein Kumpel aus gemeinsamen Hofweierer Zeiten, mit dem er sich leidenschaftlich im Fußball „eins gegen eins“ duellierte, stand schon als künftiger Bundestrainer und DHB-Sportdirektor fest, war aber für die WM noch in der Schweiz unter Vertrag.
Um die internationale Reputation des deutschen Handballs nicht zu gefährden, hatte Ehret seinem schlitzohrigen Kollegen streng untersagt, bei der WM irgendwelche Tricks anzuwenden wie einen zweiten Ball aufs Feld zu rollen oder ein Spiel mit dem Pfiff aus der eigenen Trillerpfeife zu unterbrechen.

Am Tag vor dem Abflug nach Malmö wachte Emrich mit 40 Grad Fieber auf und klingelte morgens um 7 Uhr seinen Hausarzt aus dem Bett. Vollgepumpt mit Antibiotika startete er in ein Abenteuer, das mit einem sechsten Platz endete, den vorher keiner ernsthaft auf der Rechnung hatte. „Er hat keine Chance, aber die will er beim Schopf packen“, hatte die „Westdeutsche Allgemeine“ im Vorfeld der WM geschrieben.
Beim 17:19-Rückstand kurz vor Schluss gegen die Russen stand alles auf der Kippe. „Emma, mach’ was!!!“, brüllte „Hexer“ Andreas Thiel, dass man es bis unters Hallendach hörte. Das Spiel endete 19:19. Ende gut – Emrich gut.




Ansichten

Armin Emrich zum Thema…

Jogi Löw: Hochqualifizierter Bundestrainer. Aber ich habe das Gefühl, dass er nicht mehr die Strahlkraft hat, um die Mannschaft zu Topleistungen zu motivieren.

Nächster Kanzler: CDU-Parteitag abwarten. Auch Söder könnte es sein. Aber es wird kompliziert.

Karl Lauterbach: Im Morgenmagazin wurde er Gesundheitsminister h.c. genannt. Ich nehme seine Fachkompetenz ernst.

Corona-Impfung: Wenn ich dran bin, lasse ich mich impfen. Ich bin kein Skeptiker, sondern vertraue der Forschung.

Querdenker: Eigentlich was Positives: hinterfragen, untersuchen. Nur jetzt in der Corona-Pandemie habe ich für diese Leute kein Verständnis.

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