Ungeschlagener Europameister, 23:18-Finalsieg gegen Norwegen, erste Goldmedaille überhaupt im weiblichen Jugendbereich - die deutschen Mädels haben sich am Sonntagabend im slowakischen Michalovce ihren Platz in den Handball-Geschichtsbüchern gesichert.


Hier die Stimmen zum EM-Titel:

Maik Nowak, Trainer des Europameisters:
Etwas anderes als Wahnsinn kann man da nicht sagen. In der Kabine haben wir den Mädels zur Pause gesagt, dass sie einfach weiter an sich glauben sollen und sie sich in der Abwehr mehr wehren sollen. Und das haben sie super umgesetzt. Norwegen wusste zwischendurch gar nicht mehr, was sie machen sollen. Drei Minuten vor Schluss wusste ich, dass wir es geschafft hatten. Nach dem offiziellen Bankett hat sich die Mannschaft eine tolle Party verdient. Das wird sicher eine lange Nacht.

Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Anstrengungen mit sich bringt, mit einer Nachwuchsmannschaft einen internationalen Titel zu gewinnen. Auf Vereinsebene habe ich einige nationale Titel gewonnen, aber dieses EM-Gold ist etwas ganz Besonderes, viel wertvoller. Da steckt so viel Arbeit dahinter. Daher gilt mein Riesendank den Spielerinnen und dem ganzen Stab hinter der Mannschaft. Ich hoffe, dass wir diese Stimmung und diesen Schwung mitnehmen können zur Frauen-WM im Dezember. Ich hoffe, dass wir dann auch viele tolle Spiele erleben werden.

Aimée von Pereira, Europameisterin und beste Turnierspielerin der EURO:
Ich habe erst daran geglaubt, dass wir es wirklich geschafft haben, als wir zwei Minuten vor Schluss mit fünf Toren führten. Ich habe niemals damit gerechnet, als MVP ausgezeichnet zu werden, weil hier so viele so gute Spielerinnen dabei waren. Das wird alles seine Zeit dauern, bis ich alles realisiert habe, was heute passiert ist. Dass wir das Finale gewonnen haben, war allein unserem Teamspirit zu verdanken. Wir wussten, dass wir viel besser spielen können, als wir es in der ersten Halbzeit gezeigt haben. Und dann waren wir plötzlich in diesem Flow, in dem alles geklappt hat. Wir haben als Team gewonnen, jede Spielerin freut sich mit den anderen. Das war alles unglaublich.

Wolfgang Sommerfeld, DHB-Sportdirektor:
Was die Mannschaft in der zweiten Halbzeit - speziell in der Abwehr - geleistet hat, war sensationell für diese Altersklasse. Sie haben Ruhe bewahrt, als sie deutlich zurücklagen und haben dann mit Gelassenheit die Partie gedreht. Die gesamte Turnierleistung der U17 ist aller Ehren wert. Wir werden diese Mannschaft - genau wie den Jungs, die Gold beim EYOF gewonnen hatten - in einem großen Rahmen würdig ehren.

Michael Biegler, Frauen-Bundestrainer: Gleich nach dem Abpfiff habe ich der Mannschaft per SMS gratuliert. Chapeau, das war eine bewundernswerte Leistung. Es war ein Finale mit Höhen und Tiefen, aber unseren jungen Ladies haben wie im gesamten Turnier am Ende eine tolle Konstanz gezeigt. Ich war wirklich total begeistert von der Mannschaft, das ist ein toller Schub für unser Gesamtkonzept im Frauenhandball. Wir haben viele tolle Spielerinnen in der Jugend und bei den Juniorinnen - und Europameister zu werden, ist ein Supererfolg für diese Mannschaft.

Gold, Gold, Gold: Deutschland ist U17-Europameister!18.53 Uhr am Sonntagabend war der Traum in Erfüllung gegangen: Freudentränen kullerten über die Wangen, Jubelschreie ertönten, Freudentänze auf dem Feld, ein riesiges Feierknäuel auf dem Boden: Mit einer unglaublichen zweiten Halbzeit haben sich die deutschen Mädels EM-Gold gesichert. Nach einem 9:12-Pausenrückstand im Finale gegen Norwegen kassierte die DHB-Auswahl von Maik Nowak und Zuzana Porvaznikova in den ersten 25 Minuten von Halbzeit zwei nur noch drei (!!!) Gegentore und setzte sich hochverdient mit 23:18 durch. Um 19.32 Uhr nahm Kapitänin Lena Neubrander die Siegerschale entgegen – und der Rest war nur noch Party mit Goldmedaillen um den Hals.

Nach EM-Silber 2001 sowie Bronze 1992 und 1999 war dies der größte Erfolg einer deutschen weiblichen Jugendmannschaft aller Zeiten. Die EM-Trophäe war am Sonntag in Michalovce aber nicht die einzige Auszeichnung für die DHB-Truppe: Aimée von Pereira  wurde zur besten Turnierspielerin (MVP) gewählt, Anna-Lena Hausherr als beste Linksaußen ins All-Star-Team gewählt.

Nach dem Triumpf der männlichen Jugend bei European Youth Olympic Festival in Györ war der Erfolg der Mädels in der Chemkoslav Arena die zweite Goldmedaille für den Nachwuchs des Deutschen Handballbunds in diesem Sommer.

Nach einer Siegerparty  hatte es am Sonntagabend anfangs nicht ausgesehen. Die gesamte erste Hälfte lief die deutsche Mannschaft dem schwachen Start hinterher. Nach acht Minuten hieß es 1:5, nachdem die DHB-Auswahl im Angriff zu viele Bälle liegengelassen hatte. Weil sich auch die norwegische Torfrau steigerte, gelang es lange Zeit nicht, den Rückstand zu verkürzen. Nach einer doppelten Überzahl kam das Team aber auf 5:7 heran, kassierte dann postwenden aber zwei norwegische Treffer in einem teilweise sehr hektischen „Mittelstück“ der ersten Hälfte.

Die Defensive der Skandinavier war – wie von Nowak vorhergesagt – äußerst robust, sehr beweglich und gut auf den DHB-Angriff eingestellt. Aber auch auf deutscher Seite war die Abwehr das Prunkstück. Dennoch hieß es kurz vor der Pause 8:12, ehe Aimee von Pereira mit einem Traumtor den Halbzeitstand von 9:12 herstellte.

Noch war nichts entscheiden, und schon wie die deutschen Mädels aufs Feld zurückkehrten, zeigte ihre Entschlossenheit.  Nach drei DHB-Treffern war der Ausgleich zum 12:12 geschafft – und selbst eine norwegische Auszeit konnte das deutsche Team nicht stoppen. Die Abwehr stand sensationell, im Angriff gelang nun fast alles – beim 14:12 war die Serie auf 5:0 Treffer ausgebaut. Norwegen wirkte wie paralysiert, die deutsche Mannschaft marschierte unwiderstehlich. Beim 18:13 betrug der Vorsprung erstmals fünf Treffer, und beim 20:15 fünf Minuten vor dem Ende war klar: dieses Spiel geben die DHB-Mädels nicht mehr aus der Hand.

Zuvor hatte sich Ungarn durch einen 32:18 (13:9)-Erfolg über Frankreich die Bronzemedaille gesichert. Gegen Frankreich hatte die DHB-Auswahl am Freitag ihr Halbfinale souverän mit 27:21 (13:10) gewonnen.

Statistik Finale Deutschland - Norwegen in Michalovce 23:18 (9:12)

Deutschland: Charley Zenner (BSV Sachsen Zwickau), Laura Waldenmaier (TPSG FA! Göppingen), Lena Hausherr (BVB 09 Dortmund/4), Selina Margull (HSG Freiburg/), Paulina Golla (FSG Mainz 05/Budenheim/1), Marielle Wulf (BVB 09 Dortmund/1), Aimée von Pereira (Buxtehuder SV), Malina Marie Michalczik (BVB 09 Dortmund/2), Dana Bleckmann (BVB 09 Dortmund), Lea Neubrander (SG H2KU Herrenberg/3), Jana Scheib (SG BBM Bietigheim/6), Leonie Kockel (BVB 09 Dortmund/), Julia Weise (HC Leipzig/2), Pauline Uhlmann (HC Leipzig/1), Carlotta Fege (BVB 09 Dortmund/3), Maxi Mühlner (HC Leipzig)

Beste Torschützin Norwegen: Kristina Nowak (4)

Schiedsrichter: Lidacka/Lesiak (Polen).

Deutscher Handballbund

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