Zum ersten Mal überhaupt in seinem Handballer-Leben muss Ulf Seefeldt (vorne) auf den Sport keine Rücksicht mehr nehmen. ©Handball-Server

Beim TuS Ottenheim erfolgte der Übergang vom alten Trainer-Duo Ulf Seefeldt/Markus Heimburger zum neuen Coach Heiko Rogge virtuell. Coronabedingt gab es zudem erst keine Aufstiegsparty und dann keine Feier zum Klassenerhalt.

Die Corona-Pandemie sorgt schon seit über einem Jahr für außergewöhnliche Situationen. Bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Es gibt Gewinner und Verlierer – beim TuS Ottenheim verbindet sich beides in den zwei nicht zu Ende gespielten Saisons. Erst durften die Mannen aus dem größten Schwanauer Ortsteil als Tabellenzweiter der Landesliga in die Südbadenliga aufsteigen, dann kamen sie sieglos bei 1:3 Punkten zum Klassenerhalt. „Klar ärgert man sich ein bisschen, dass man nicht die Gelegenheit hatte, sportlich beweisen zu können, in die Südbadenliga zu gehören“, sagt Ulf Seefeldt, der gleichberechtigt mit Markus Heimburger die Mannschaft gecoacht hatte.

Letzter sportlicher Eindruck positiv

Der letzte Eindruck auf dem Feld war jedenfalls positiv. Der 20:25-Niederlage in Sinzheim folgte ein 32:32 gegen die SG Kappelwindeck/Steinbach – ein Punkt gewonnen und ein ansprechendes Spiel abgeliefert. Doch dieses gute Gefühl ist dann schnell verblasst. Ein Corona-Fall im Umfeld eine Woche später sorgte für eine Spielabsage, danach war Schluss.

Beim TuS ging überhaupt vieles nicht mehr im vergangenen Jahr – und das ist die Kehrseite der Medaille. Keine Aufstiegsparty, keine Feier zum Klassenerhalt, kein Beachturnier. Selbst die lange und akribisch wie aufwändig geplanten Festivitäten „100 Jahre TuS Ottenheim“ fielen Covid-19 zum Opfer. Irgendwann soll es eine große Fete geben – nur wann?

Und zur besonderen Situation des TuS Ottenheim gehört auch, dass es für Ulf Seefeldt und Markus Heimburger, die schon vor Monaten ihren Rücktritt zum Saisonende angekündigt hatten, bisher nur einen Abschied via Zoom-Meeting gab. Am 25. März erfolgte im wöchentlichen virtuellen Mannschaftstreffen die offizielle Übergabe an Nachfolger Heiko Rogge. „Seitdem sind wir raus“, sagt Seefeldt.

Raus ist das Duo auch aus dem Trainergeschäft. Für Ulf Seefeldt ist auch das eine ganz besondere Situation. Mit acht Jahren hat er in Delmenhorst mit dem Handball begonnen. Seitdem hat der Sport das Leben des SWR-Journalisten, der einst als Student nach Freiburg gekommen und seit Jahren in Ottenheim heimisch geworden ist, bestimmt. Erst als Spieler, dann noch zusätzlich als Trainer der Frauen des TuS Ottenheim, die er in die damalige Regionalliga geführt hat, schließlich nur als Trainer. „Ich bin selbst gespannt, wie es ist ohne Handball“, kann der 53-Jährige noch nicht einschätzen, wie seine Freizeitgestaltung künftig verlaufen wird.

Nun ein gewöhnlicher Zuschauer

Jetzt freut er sich aber erst mal auf einen handballfreien Sommer, hofft, dass er bald wieder seine Dauerkarte beim SC Freiburg nutzen kann, im Winter auch wieder seine Ski anschnallen und Handball als ganz gewöhnlicher Zuschauer genießen darf. Nicht nur, aber natürlich gerne beim TuS Ottenheim, der kommende Saison in Felix Gäßler auf einen prominenten Rückkehrer vom TV Willstätt bauen darf und damit auch im Umfeld die Erwartungshaltung gesteigert hat. 

Seefeldt freut sich aber auch, das Wochenende mit Familie oder Freunden auch mal frei verplanen zu können. „Es ist cool, da mal nicht auf den Spielplan schauen zu müssen“, sagt er, hat für Herbst – mit Rücktrittsgarantie – schon den ersten Kurzurlaub mit den Kumpels gebucht und zuletzt auch alle Trainer-Anfragen abgeblockt. „Aber wer weiß: Vielleicht habe ich in einem Jahr wieder Lust“, lässt er sich eine kleine Hintertür offen.

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