Moritz Ebert zudem bester Torwart der Beachhandball-EM.






Erst eine spektakuläre Flugeinlage und die entscheidende Fußabwehr des Penaltys, dann griff sich Moritz Ebert den Ball und stürmte wie wild mit ausgebreiteten Armen und lauten Jubelschreiben über das ganze Spielfeld der Beachhandball-Arena in Ulcinj, Montenegro. Kein Mannschaftskamerad, kein Trainer, niemand konnte den Torwart der HSG Konstanz in diesem Moment stoppen. Schließlich wurde er doch noch eingefangen und unter einer Jubeltraube begraben, nach dem Moment, den das erst 17-jährige Talent später als die „geilsten Sekunden in seiner Sportkarriere“ bezeichnen wird. Es war sein dritter abgewehrter Penalty im Shootout des Finalspiels gegen Polen, seine 18. Parade bei nur 13 Gegentoren – eine unfassbare Leistung. Damit krönte er sich nicht nur mit der deutschen U18-Nationalmannschaft zum neuen Europameister, sondern wurde darüber hinaus als bester Torwart des Turniers ausgezeichnet.

„Das war pure Freude“, strahlt das HSG-Eigengewächs, „nach so einem nervenaufreibenden Spiel und Turnier. Wir haben hart gearbeitet, sind ein eingeschworenes Team und genießen das, was wir uns erträumt haben.“ Dann hält er einen Moment inne, sprachlos, noch immer von seinen Gefühlen überwältigt: „Das alles ist kaum in Worte zu fassen. Es war mein bestes Spiel auf Sand. Dass ich dann auch noch den entscheidenden Penalty abwehren kann, alle jubeln, zu mir rennen und mich begraben – das ist schwer zu toppen, das war grandios.“ Genau wie seine Leistungen und die des deutschen Teams, das sich von Spiel zu Spiel steigerte. Die Schweiz wurde besiegt, Gastgeber Montenegro ebenso, dann folgte eine hausdünne Niederlage im Penaltywerfen gegen Italien und Deutschland musste als Tabellenzweiter in das Viertelfinale starten. Doch diese Pleite, sie sollte die einzige bleiben. Es folgte ein Sieg im Shootout gegen Russland, als Moritz Ebert schon einmal mit zwei parierten Penaltys zur entscheidenden Figur und zum Helden avancierte und im ganzen Turnier erneut ähnliche Werte wie jene 43 Prozent Abwehrquote bei der letzten EM präsentierte.

Gleichzeitig war dieses Erlebnis, dieser Krimi, die Situation, aus der der Geist der Europameister erwachte. Zwar hatte sich die DHB-Auswahl schon im Vorfeld der EM mit einem Turniersieg und Erfolgen unter anderem gegen Ungarns Herren-Nationalteam viel Respekt verschafft. Doch nach einem etwas zerfahrenen Turnierbeginn in Montenegro war die „Erlösung groß“, so Ebert. „Es ist eine Last von uns abgefallen, da wir so wie im Vorjahr zumindest im Halbfinale waren.“ Nun wartete Spanien – der Angstgegner Deutschlands schlechthin, gegen den zuletzt dreimal in Folge verloren wurde. Doch dieses Mal dominierte Deutschland und gewann unerwartet deutlich in nur zwei Sätzen. Die Bühne für das große Finale vor über 800 Zuschauern war bereitet – und das DHB-Team nach einem echten Krimi mit Matchwinner Moritz Ebert schließlich im europäischen Handball-Olymp angekommen.

Lediglich vier Tore hatte Ebert in der zweiten Halbzeit hinnehmen müssen. „Ich war on fire“, lacht der im Turnierverlauf zudem sechsmal als Torschütze glänzende HSG-Keeper, „das war außergewöhnlich.“ Aber erst der Auftakt für einen völlig verrückten Schlusspunkt. Dreimal blieb er Sieger im Eins-gegen-Eins-Duell mit den polnischen Schützen im Penaltywerfen. „Es lief alles wie in Zeitlupe ab“, zuckt er mit den Schultern. „Ich habe immer gesehen, wohin die Angreifer werfen.“ In seine Fänge, ins totale Glück der deutschen Nationalmannschaft. Auch hier sei einiges an Druck abgefallen, verrät der Blondschopf. „Wir wollten alle diesen Coup. Die Bilder nach der letzten Parade sagen alles.“

Danach wurde ausgelassen gefeiert, aber nur einen Tag später der Heimweg angetreten. Erst zum Abiball, dann zum ab Donnerstag startenden Mannschaftstraining der HSG Konstanz. Von hier gratulierte ihm Andre Melchert im Namen seines Heimatvereins. „Herzlichen Glückwunsch an Moritz und sein Team“, schickte der Sportliche Leiter auf den Weg, „Moritz hat mit seinen gezeigten Leistungen einen sehr großen Anteil an diesem Erfolg.“ Obwohl Moritz Ebert als 17-Jähriger noch ein Jahr in der A-Jugend spielen könnte, stehen nun bereits die nächsten Schritte für ihn an. Er wird fest für die U23 in der Oberliga Baden-Württemberg der Herren spielen und gehört zudem zum Perspektivkader der Konstanzer Drittligamannschaft. Den gleichen Schritt hat der hochtalentierte Torwart im Beachhandball vollzogen: Noch im Juli steht der nächste Lehrgang mit dem DHB an – dann für die deutsche Herren-Nationalmannschaft.

„Jetzt möchte ich bei der HSG angreifen“, formuliert er direkt die nächsten Ziele, im Wissen, dass er nun weiter konzentriert arbeiten und auf dem Boden bleiben muss. Ebert: „Den nächsten Schritt zu machen und mich anzubieten, das zählt jetzt.“ Alles zwischen EM-Titel, Abiball, dem Sprung in die Herren-Nationalmannschaft und in den Drittliga-Kader der HSG Konstanz. Wohlgemerkt mit 17 Jahren.

HSG Konstanz

Zum Seitenanfang